
Roma aetaerna (Teil 1 / 2)
Ich war schon viele Male in Italien, doch nie zuvor in Rom, als ich mich 2002 auf Einladung von Prof. Dr. Gustav Adolf Lehmann entschloss, an einer Fahrt nach Rom mit dem Althistorischen Seminar der Georg August Universität Göttingen teilzunehmen. Prof L. ist einer der originellsten Göttinger Profs, und was gibt es schöneres, als mit einer Gruppe von Geschichtsenthusiasten die "Ewige Stadt" kennenzulernen? Wir waren eine buntgemischte Gruppe, Studenten und Ehemalige im Alter von 20- 60 und entsprechend gut drauf, als wir in München den Nachtzug nach Rom bestiegen. Für mich war in unserem Abteil kein Platz mehr und ich nahm Quartier bei einer italienischen Familie, die von München nach Napoli reiste. Wir hatten noch nicht die Alpen überquert, als ich von Luigi und Gina, so hiessen die anderen Passagiere, auch schon adoptiert wurde. Es wurde eine sehr lustige Fahrt, und als wir Rom erreichten, hatte ich einen kleinen Schwipps, denn ich musste natürlich Luigis und Ginas Wein probieren.
Unser Hotel war ein ehemaliges Kloster in der Nähe des Forum Romanums, ich habe leider den Namen vergessen, denn vorher gab es einen Vortrag von Prof L. Er schien von Rom inspiriert, liess seinen Koffer ganz locker am Arm baumeln und begann zu erzählen. Selten war er besser drauf gewesen, eine Mischung aus enthusiastischem Reiseführer und Titus Livius. Einige Touristen waren so gebannt, dass sie sich unserer kleinen Gruppe anschlossen. Am Triumphbogen des Septimius Severus begann unser Rundgang mit dem Mamertinischen Kerker unter der Kirche San Pietro in Carcere. Meine Güte, das römische Staatsgefängnis hatte ich mir grösser vorgestellt. Vercingetorix, Jugurtha der Numiderkönig und später der Apostel Petrus sassen dort gefangen. Kurz vor dem Kapitol befand sich der Goldene Meilenstein, wo alle Strassen endeten. Die Basilica Aemiliana zur Rechten, und die Basilica des vergöttlichten Julius Caesar und den Castortempel zur Linken, schüttete Prof. L. den Rest einer nächtlichen Weinflasche auf die Via Sacra und hielt bei diesem Trankopfer anlässlich unserer glücklichen Ankunft eine Rede in klangvollem Latein, ehe wir unser Gepäck im Hotel abstellten, und uns ein ganz besonderes Bonbon Roms gönnten:
Die kapitolinischen Museen
Der Platz vor dem Kapitol ist einer meiner Lieblingsplätze in Rom. Kein Geringerer, als Michel Angelo hat den Platz angelegt, er ist sozusagen eine Essenz aus dem Rom der Renaissance und dem der Antike. Von der Mitte des Platzes grüsst mein Lieblingskaiser Marc Aurel. Das Original, vom sauren Regen mitgenommen, wurde restauriert und steht heute in den Kapitolinischen Museen. Dort ist u. a. die berühmte Statue des "sterbenden Galliers" und des "Dornenausziehers" zu sehen. Im Saal der Philosophen grüssen die Büsten von Homer, Sokrates, Platon, Aristoteles und Epikur, im Saal der Imperatoren die Caesaren Roms. Ich kannte sie alle und musste an die Biographien Suetons denken, der so skandalöses von diesen Herren zu berichten wusste. Die Capitolinischen Museen haben die nettesten Guides von Rom, es ist dort nicht so voll wie im Vatikan, denn obwohl Althistoriker, war
Der Petersdom mit Sixtina und Vatikanischen Museen
natürlich ein Muss. Sehr zeitig machten wir uns auf den Weg, und die Schlange war auch nur 3 km lang. Geschoben und geschubst von Japanern, Koreanern und von leiernden Fremdenführern geleitet, ging es durch die Vatikanischen Museen. Der Apoll von Belvedere, auf den sich Prof. L so gefreut hatte, wurde leider restauriert. Dafür bekamen wir eine nette Geschichte vom Fund der berühmten Laokoongruppe zu hören, die einmal in Neros Schlafzimmer stand. Die Besichtigung grosser Kulturdenkmäler ist oft erst im Nachhinein schön, doch wer geschoben und geschubst schliesslich in die Sixtinische Kapelle gelangt, wo sich das ganze Volk von Pilgern, Touristen und Neppern in den Weiten des Petersdoms verliert, wird immer wieder beeindruckt sein, denn der Petersdom ist ein wahres Weltwunder.
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