Karte der Zugfahrt durch Schweden und Norwegen

Mit dem Zug durch Norwegen (Teil 1 / 2)

Wer als Deutscher in der schwedischen Hauptstadt lebt, wundert sich gelegentlich sehr über den Mangel an direkten Kontakt zum westlichen Nachbarland. Nun gut - ein Großteil der langen gemeinsamen Grenze verläuft durch sehr dünn besiedeltes Land - und doch ist es schade, dass die Interessen der Schweden mehr nach Süden und Osten greifen oder, wenn sie nach Westen gehen, den Nachbarn Norwegen oft einfach überspringen.
Um das Land kennen zu lernen, mit dem Schweden immerhin bis 1905 staatlich verbunden war, bot sich bei geringem Budget und nicht viel Zeit eine Rundfahrt mit dem Zug an, die allerdings die zweitgrößte norwegische Stadt Bergen auslassen musste. Die Entscheidung fiel auf die Strecke Östersund - Trondheim - Oslo - Stockholm, wobei für die lange Strecke zwischen Trondheim und Oslo eine Fahrt mit dem (reservierungspflichtigen!) Nachtzug eingeplant wurde, wodurch eine kostspielige Hotelnacht vermieden werden konnte.
Wer Schwedisch spricht, kommt mit etwas Übung auch mit dem Norwegischen zurecht. Englisch wird wie in ganz Skandinavien von nahezu allen Erwachsenen verstanden und auch gesprochen. In den größeren Städten kommt man mit etwas Glück auch mit Deutsch zurecht; für Auskünfte sollte man sich dann jedoch eher an die etwas älteren Einheimischen wenden. Ein Hinweis, der die Orientierung in norwegischen Städten sehr erleichtert, darf nicht unterbleiben: Die sehr gebräuchliche Abkürzung für Zentrum oder Central (Bahnhöfe, Innenstädte, Nahverkehrslinien) ist im Norwegischen das S ("sentral") - beim Suchen in Verzeichnissen oder auf Karten unbedingt berücksichtigen!

Wo Schweden und Norwegen sich schlank machen

Foto aus NorwegenNach einem eher ausladenden Süden werden beide skandinavischen Nachbarländer jenseits des 62. Breitengrades plötzlich recht schmal - hier stoßen Hochgebirge und Nordsee fast aneinander. Für Trondheim bedeutet das ein oft mildes Mikroklima durch den Golfstrom, während sich im Hinterland noch die Schneeberge des letzten Winters türmen. So waren auf der Fahrt von Östersund nach Trondheim nicht wenige Schneereste entlang der Strecke zu beobachten, doch auf den letzten Kilometern vor dem Ziel wurde die Luft tatsächlich warm, und so scheint es auch verständlicher, wenn Trondheim als nördlichstes Verbreitungsgebiet des Kastanienbaumes in Skandinavien gilt. Verlässt man den kleinen Bahnhof der Stadt, erstreckt sich auf der einen Seite der Gleise bereits der Trondheim-Fjord mit der vorgelagerten Insel Munkholmen (wie der Name sagt, einst von Mönchen bewohnt; später als Gefängnis genutzt). Heute erreicht man die Insel mit einer Ausflugsfähre, die auch gern von Einheimischen genutzt wird, um von der Insel aus im Fjord zu baden. Der Golfstrom machte es nämlich möglich, dass Trondheim auf inzwischen eineinhalb Jahrhunderte Tradition als Seebad zurückblicken kann.

In der Stadt

Nach wenigen Schritten am Hafen des Nidelv entlang ist man bereits in der übersichtlichen und sehr sehenswerten Altstadt von Trondheim, der Dom- und alten Hauptstadt Norwegens, in der noch immer die norwegischen Könige gekrönt werden. Dieser Krönungsort - der Nidarosdom - ist zugleich die wichtigste Sehenswürdigkeit des Ortes. Der romanisch-gotische Bau blickt inzwischen auf eine fast tausendjährige Geschichte der An- und Umbauten, Zerstörungen und Erweiterungen zurück. Inzwischen hat auch die neu entdeckte Pilgertradition den Nidarosdom erreicht. Deutsche Besucher sind in Skandinavien oft enttäuscht, wenig herausragende (steinerne) Architektur zu finden: Mit dem Dom verfügt Trondheim über eines dieser seltenen und herausragenden Bauwerke. Direkt daneben steht der Palast des Erzbischofs. Die nahezu gänzlich von Wasser umgebene Altstadt wurde Ende des 17. Jahrhunderts nach einem Großbrand in einer an Versailles(!) orientierten Sternform neu errichtet; heute erstreckt sie sich auch auf weiteren Halbinseln und die Hänge der anschließenden Berge hinauf.

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