Norwegen per Schiff (Teil 1 / 2)

Auf die Idee, nach Norwegen zu reisen, kamen wir nach unserer Englandreise im Herbst 2005. Wir hatten die Fährverbindung von Cuxhaven nach Harwich genutzt, die wenige Wochen später leider für immer eingestellt wurde. Wir verfolgten damals die Meldungen über „unser“ Schiff, die Duchess of Scandinavia, in den Medien und erfuhren, dass es in Zukunft umgespritzt und umbenannt zwischen dem dänischen Hanstholm und Bergen in Norwegen verkehren wird. Die Stadt Cuxhaven machte sich unterdessen Hoffnung, dass eine norwegische Reederei die Hafenanlegestelle nutzen will, um eine Fährverbindung zwischen Cuxhaven und der norwegischen Westküsten zu betreiben. Dieser Wunschtraum wurde leider nicht Realität. Aber wir hatten uns aufgrund dieser Gerüchte schon vorgestellt, per Schiff von Deutschland aus nach Norwegen zu reisen. Diesen Traum erfüllten wir uns im Sommer 2006. Wir wollten während eines fünftägigen Kurzurlaubs den Süden Norwegens mit dem Auto erkunden und mit einer Fähre von der deutschen Nordseeküste aus dort hingelangen. Als Fans längerer Überfahrten entschieden wir uns, die Norwegenfähre von Kiel nach Oslo zu nehmen.

Unser Schiff war die Color Fantasy. Gemessen an ihren Dimensionen ist sie eher ein Kreuzfahrt- als ein Fährschiff und die Reederei sieht das wohl auch so. Am Schiffsrumpf prangt jedenfalls stolz die Aufschrift „Color Line Cruises“. Die Fahrt von Kiel nach Oslo dauert 19,5 Stunden. Sie allein ist schon ein Erlebnis, das einem äußerst gelungenen Kurzurlaub entspricht. Viele der Passagiere buchen auch tatsächlich die Hin- und Rückfahrt als eine Art Kreuzfahrt mit einigen Stunden Landgang. Das kannten wir bereits von der Duches of Scandinavia. Nur dass auf der Color Fantasy andere Größenverhältnisse herrschten. Das damals erst zwei Jahre alte, größte Fahrschiff der Welt hat sogar einen Spa-Bereich mit Sauna und Jacuzzi sowie ein Aqualand für Kinder zu bieten.

Die Kreuzfahrtpassagiere warfen sich abends in Schale und wohnen den Unterhaltungsprogrammen bei, die natürlich auch den normalen Überfahren wie uns offen standen. Wir hatten ausgezeichnetes Wetter und verbrachten tagsüber die meiste Zeit auf einem der Decks. Die über 600 Kilometer lange Überfahrt war sehr eindrucksvoll und rechtfertigte den relativ hohen Kabinenpreis. Wir kamen zunächst durch die Kieler Förde, und durchquerten anschließend die Kieler Bucht. Dann führte die Fahrt durch die Passage zwischen den dänischen Inseln Lolland und Langeland. Anschließend durchfuhren wir den großen Belt und durchquerten die gigantische Verbindungsbrücke zwischen den Inseln Seeland und Fünen. Danach fuhren wir für unser Gefühl aufs offene Meer hinaus. Unser Schiff befand sich jetzt im etwa 120 Kilometer breiten Kattegat. Dahinter liegt der Skagerrak den die Color Fantasy während wir schliefen durchfuhr. Am nächsten Morgen passierte das Schiff den etwa 100 Kilometer langen Oslo-Fjord.

Gut ausgeruht kamen wir vormittags halb zehn in Oslo an. Dort wir hielten uns nur etwa vier Stunden auf, weil wir im etwa 300 Kilometer weiter westlich liegenden Bergen ein Apartment gebucht hatten, dass wir noch am selben Tag erreichen wollten. Nachdem wir den Zoll passiert hatten, machten wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum.

In Norwegen gelten relativ strenge Zollbestimmungen. So ist es beispielsweise verboten, Kartoffeln einzuführen. Lebensmittel sind in Norwegen nicht gerade billig, deshalb kommen ausländische Camper oft in Versuchung, ihren Proviant mitzubringen. Die Einfuhr von Nahrungsmitteln für den persönlichen Bedarf ist, abgesehen von Kartoffeln, erlaubt.

Was man für die Versorgung in Norwegen mehr ausgeben muss als zu Hause, kann an der Unterkunft wieder eingespart werden. In Norwegen herrscht Jedermannsrecht. Das bedeutet, es ist erlaubt, vorübergehend auf unkultiviertem Boden kostenlos zu zelten. Ein Zelt darf aber in bevölkerten Gebieten nur zwei Tage an der selben Stelle stehen und muss in mindestens 150 Meter Abstand zu Häusern oder Hütten aufgebaut werden. Unsere Unterkunft in Bergen kostete uns 200 Kronen (weniger als 30 Euro) pro Nacht.

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