Landkarte Balearen mit Mallorca

Urlaubsbericht Mallorca

Als mir meine Frau vor einem Monat vorschlug, wir sollten doch einmal Urlaub auf Mallorca machen, erklärte ich sie sofort für verrückt. Zwei Wochen Ballermann-Atmosphäre und dauertrunkene Touristen waren so ziemlich das Gegenteil dessen, was ich mir unter einem erholsamen Urlaub vorstellte. Dann erzählte sie mir jedoch vom "anderen" Mallorca und das deckte sich so ziemlich genau mit dem, was ich mir unter einem erholsamen Urlaub vorstellte, gewisse Zweifel blieben jedoch.
Diese zersteuten sich jedoch ziemlich schnell, als wir eine Woche später den Flughafen Palmas mit seinen doch leider relativ vielen Spaßtouristen hinter uns gelassen hatten und uns auf den Weg zu einer kleinen Finca (s. z.B. unter Ferienwohnungen Mallorca) im Plà de Mallorca aufmachten. Generell kann man über Mallorca sagen, dass je weiter man sich von den Küsten entfernt, desto mehr nehmen die Scharen von Urlaubern und der kommerzielle Massentourismus ab. Die Küsten sind vielfach mit Hotelburgen verbaut, doch finden sich auch hier noch Kleinode.
Doch zurück zu meinen Erfahrungen in der zentralen Ebene Mallorcas dem Plà de Mallorca. Während die Küsten, wie schon erwähnt, im wesentlichen dem Massentourismus vorbehalten sind, die mittelalterliche Innenstadt Palmas natürlich ausgenommen, ist das Inselinnere im wesentlichen auf vielfach noch traditionelle Landwirtschaft ausgelegt und mit seinen vielen Windmühlen und häufig leicht verfallenen alten Fincas an Idylle kaum zu übertreffen. In einer dieser Fincas, die zum Glück nur äußerlich den mediterranen Flair leichten Verfalls entfaltete, verbrachten wir die Abende der nächsten zwei Wochen. Warum nur die Abende? Weil das innere Mallorcas mit seiner herrlichen mediterranen Kulturlandschaft geradezu zu ausgedehnten Erkundungstouren einlädt. Zwischen Mandellbaumplantagen und Weinbergen und gelegentlich auch, wenn man versehentlich die falsche Abzweigung nimmt, Kartoffelplantagen und Reisfeldern kann man dann seinem Bewegunsdrang freien Lauf lassen und danach in einem der vielen kleinen Restaurants den Tag ausklingen lassen.
Urlaubsinsel Mallorca auf den BalearenDa wir jedoch nicht nur dem Müßiggang verfallen wollten, stand als nächstes ein Ausflug in die Geschichte Mallorcas und ein Gang durch die historische Altstadt Palmas auf unserem Kulturprogramm. Dieser Ausflug ist, ob man will oder nicht, und ich wollte eigentlich nicht, ein Muss für jeden Mallorca Urlauber. Und da wir natürlich nicht nur unwissend durch die mittelalterliche Altstadt wandeln wollten, schlossen wir uns einer geführten Tour an. Die erste Station dieser Tour war die Hauptsehenswürdigkeit Palmas, die gotische Kathedrale La Seu. Dieser mächtige, aber auch erstaunlich filigrane Bau, ließ sogar einen, tendenziell eher kulturscheuen, Genußurlauber wie mich erst einmal staunen. Bietet er doch einen Anblick den man so, nachdem man durch die engen und wie unser Führer nicht häufig genug betonen konnte, von einer prächtigen Mischung aus arabischen und spanisch-katalanischen Einflüssen geprägten Altstadtgassen hervortritt, nicht erwartet hätte. Ähnlich beeindruckend wirkt auch das im Südwesten Palmas gelegene, mittelalterliche Castell de Bellver, das einen herrlichen Blick über den Hafen Palmas gewährt. Wer nach diesem Gewaltmarsch noch Kraft genug besitzt, sollte auf jeden Fall noch die Fundació Pilar i Joan Miró a Mallorca besuchen. In diesem ehemaligen Atelier Joan Mirós kann man dann erst einmal in Ruhe durchatmen und beim Betrachten ausgewählter Werke des Künstlers Kraft für den Heimweg sammeln.
Alles in allem kann man sagen, dass Mallorca auf jeden Fall einen Besuch wert ist, egal ob man nun Erholung und Kultur oder den maximal möglichen Spaßurlaub beziehungsweise Promillepegel sucht. Wer sich den einfachen Satz: Je weiter innen, umso erholsamer merkt, wird problemlos den für ihn passenden Teil Mallorcas finden. Den einzigen Berührungspunkt zwischen diesen beiden Urlaubergruppen bildet die Altstadt Palmas. Dort kann es durchaus passieren, dass man jungen, männlichen und leicht verkaterten Gestalten begegnet, die es gerade bitter bereuen, ihre kulturhungrigen Freundinnen mitgenommen zu haben.


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