Klettern am Trübsee in der Schweiz (2/2)
Auf den Gipfel des Rigidalstocks
Endlich ging es für mich zum Klettersteig am Rigidalstock. Das Wetter war leider etwas durchwachsen und feucht, in der Nacht hatte es immer wieder leichte Schauer gegeben. Doch der regionale Wetterbericht ließ zumindest für den Nachmittag auf Sonne hoffen. Eile war also nicht geboten; ich machte mich erst gegen 10.30 Uhr auf den Weg zur Seilbahn nach Ristis und freute mich schon auf die Fahrt im Sessellift hinauf zur Brunnihütte. Doch: Fehlanzeige. Wetter- und windbedingt abgesagt, der Lift war geschlossen. Schön, wenn man gute Schuhe hat - der Fußweg vom Ristis zur Hütte dauerte fast eine Dreiviertelstunde, durch ständigen Nieselregen. Ironie: Unterwegs hatte ich die ganze Zeit meinen ruhenden Sessellift im Blick, der mich schmählich im Stich gelassen hatte.
Mein schwerer Rucksack nervte mich zusehends - ich ließ ihn kurzerhand einfach bei der Hütte, leider inklusive Kamera. Bei der Brunnihütte entschied ich mich für den kurzen Brunni-Klettersteig, über zwei Seilbrücken zum Schonegg, und dann weiter über Geröll und Gras zum Gipfel des Rigidalstocks. Unterwegs zeigte sich doch tatsächlich der eine oder andere Sonnenstrahl. Ich traf sogar sechs weitere Leute auf der Route. Den Gipfel allerdings hatte ich kurzfristig ganz für mich allein und genoss den phantastischen Rundumblick inklusive leichtem Wind.
Und was sahen meine überraschten Augen: Der Sessellift war tatsächlich inzwischen in Betrieb! Doch als ich unten ankam, hatte irgendeine Geisterhand ihn wieder missgünstig abgestellt (jemand muss dem Betreiber wohl von meinen Hüftpölsterchen verraten haben, die dringend nach maximaler Bewegung verlangen). Nach kurzem Überlegen, ob ich noch den letzten, hochschwierigen Klettersteig an dieser Seite des Berges probieren sollte, hatte ich schließlich Angst, die letzte Seilbahn könne ohne mich ins Tal rauschen - also kapitulierte ich und machte mich im Licht der sinkenden Sonne begeistert Fotomotive sammelnd auf den Weg zur Bergstation. Und wen traf ich dort? Die einheimischen Kletterer vom Tag zuvor: Kurzer, aber reger Erfahrungsaustausch (inklusive Schimpfen über die Sessellift-Pleite).
Verdiente Wellness-Belohnungen
Im Hotel belohnte ich mich, indem ich ausgiebig in das hoteleigene Solebad (tolle Massagedüsen) eintauchte und im Whirlpool chillte. Es soll im Waldegg sogar eine Erlebnisdusche geben, die werde ich beim nächsten Aufenthalt ausprobieren. Das Waldegg verfügt auch über eine Finn-Sauna und ein beliebtes Dampfbad; ich persönlich bin allerdings kein wirklicher Saunafan (und auch zu sehr Einsiedler, um hier anschließend an der gutbestückten Wellness-Bar zu sitzen).
Meine Tour auf den Graustock
Am folgenden Tag fuhr ich zur Station Trübsee-Titlis, denn ich wollte auf den Graustock, über einen von zwei schwierigeren Klettersteigen. Meine Tour sollte vom Jochpass starten; dorthin gelangt man via Sessellift vom Trübsee aus, der, welch Wunder, diesmal in Betrieb war. Eine etwas längere Fahrt, für die man insgesamt besser eine knappe Stunde einplanen sollte. Nach 25 Minuten Tour kommt ein Stück mit Drahtseil, wo ich ein Bergsteigerpärchen traf, das sich auf den Einstieg vorbereitete. Es ging über kleinere Felsstufen, Zickzack-Kurse und Grasrücken, steiler und steiler werdend. Doch der beeindruckende Blick auf den Trübsee lohnte alle Mühe.
Nun wieder eine Felsstufe, ich rechnete mit guten 60 Metern. Als ich startete, sah ich zwei ältere Herren, die sich auf dem steilen Fels doch reichlich abzumühen schienen - schon flogen die ersten abgetretenen Gesteinsbröckchen in meine Richtung hinunter. Ich entschied mich, ein wenig zu pausieren, denn es schien ein anstrengender, zweiter Abschnitt zu werden, nah am Grat entlang, zum Glück bin ich weitgehend schwindelfrei.
Als ich endlich am Ausstieg ein Hochplateau erreichte, sah ich, dass die eigentliche Herausforderung noch kam: Ein etwa 90 Meter hoher Pfeiler ragte vor mir auf. Zum Glück gab es hier Griff-Eisensprossen, die ich dankbar nutzte. Jetzt bloß nicht abrutschen! Machte nach kurzer Zeit Pause, schüttelte die Arme auf, atmete durch. Probleme mit den Karabinern, die sich immer wieder in der Seilhalterung verklemmten. Merkte, wie sich mir die Nackenhaare aufstellten. Schaffte es schließlich unter Aufbietung aller (Nerven-)Kräfte, die letzte Felsstufe zu überwinden und wurde auf dem Gipfel durch den überwaltigenden Rundumblick reich belohnt.
Später stieg ich über Geröllfelder und steile Wiesen ins Schaftal ab, von dort geht ein Wanderweg zu Jochpass und Sessellift zurück. Inzwischen lag der Trübsee in leichtem Nebel, die Gondel brachte mich ins Tal zurück.
Die Touren haben mir atemberaubende Blicke und Kletter-Herausforderungen sowie viele sehr gute Aufnahmen gebracht. Allerdings werde ich das nächste Mal nicht mehr völlig allein unterwegs sein - gar nicht so sehr, weil ich mich gern austausche, sondern vor allem, weil ich mich angesichts der zahlreichen alpinen Gefahren in Begleitung bzw. in der Gruppe ein wenig sicherer fühlen würde. Ansonsten kann ich diese attraktive Region nicht nur Kletter-Fans mehr als wärmstens empfehlen!
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