Ein Trip durch das Urlaubsparadies Holland (Teil 1 / 2)
Bereits Anfang Juli 2003 sprachen die deutschen Medien von einem Jahrhundertsommer. Das war vor allem negativ gemeint - Bauern verloren wegen der Hitze ihre Ernte, alte Menschen kollabierten in Altersheimen, sogar Wasserknappheit wurde bei den wochenlangen Temperaturen über 30 Grad befürchtet. Mein Freund Tim und ich allerdings freuten uns: Endlich einmal würde unser Sommerurlaub nicht buchstäblich ins Wasser fallen! Da wir nur eine Woche Zeit hatten und zu wenig Geld, um wegzufliegen, war das heiße Wetter ideal, um in Westeuropa Urlaub zu machen. Angetan hatte es uns unser Nachbarland Holland, das als Urlaubsziel gleich mehrere Vorteile besaß: Von unserem Wohnort Bremen waren es nur wenige hundert Kilometer bis zur Grenze. Zudem war uns Holland als gepflegt, hübsch und gastfreundlich bekannt. Und, noch besser: Es hat kilometerlange Küstenstreifen zum Baden, Sonnen und Natur genießen.
Erholung im idyllischen Norden
Die Vorbereitung war einfach. Zelt, unverderbliche Lebensmittel und ein paar Klamotten hinten in Tims kleinen Suzuki rein und weg waren wir. Unser Ziel für die erste Nacht: Den Helder, die nördlichste Spitze der kleinen Halbinsel gegenüber der Nordseeinsel Texel. Wilde Nordseestrände hatten wir uns ausgemalt, tieffliegende Möwen und tosende Gischt. Was wir vorfanden, war - zunächst nichts. Nach kilometerlangen schmalen Wegen, die rechts und links von Brombeerbüschen begrenzt wurden, erreichten wir endlich den Familiencampingplatz, den unser ADAC-Reiseführer uns empfohlen hatte. Die Begrüßung war freundlich, ein Platz für unser Zelt vorhanden, der Trip zum Strand konnte losgehen. Den Deich konnten wir voller Vorfreude schon vom Zeltplatz sehen, doch als wir schließlich hochgeklettert waren, kam die Enttäuschung: Es gab keinen Strand! Weder Möwen noch Gischt! Alles, was wir sahen, war meterweit Asphalt und weit, weit dahinter grau-braunes Watt. Geknickt schlichen wir zum Zeltplatz zurück, wo uns unsere freundlichen Zeltnachbarn wieder zum Lachen brachten. Im Waschraum fragte mich ein kleines Mädchen verwundert, was ich mir aus den Augen holte - und die Erklärung ihrer Mutter auf holländisch über Kontaktlinsen war sogar für mich verständlich - und erheiternd.
Touristenboom im Westen
Am nächsten Tag begaben wir uns wieder in die Zivilisation. Unser erster Eindruck von den Niederlanden bestätigte sich: Das Land war hübsch und gepflegt. In einem Moment lachten wir darüber, dass alles so viel kleiner zu sein schien als in Deutschland, in nächsten bewunderten wir ehrfürchtig die schmucken kleinen Häuschen, die Grachten und die sorgfältig bepflanzten Blumenbeete in den Städten. Der strahlende Sonnenschein machte alles noch schöner, weckte in uns aber den Wunsch nach Strand. Und der sollte sich erfüllen! Nach einem Besuch in der malerischen Stadt Alkmaar mit ihrem berühmten Käsemarkt und dem sehenswerten Käsemuseum fuhren wir weiter südlich nach Zandvoort, einem Touristenort westlich von Amsterdam. Der Campingplatz, auf dem wir einen der letzten Zeltplätze ergatterten, war eine Offenbarung: Er befand sich direkt in den Dünen. Wir schliefen, aßen und sonnten uns also auf feinem weißen Sand, um uns herum wucherten Schilfgewächse, die die Sicht auf die Nachbarn versperrten. Am Strand schien sich halb Holland herumzutreiben, die Atmosphäre ähnelte der einer Urlaubsgegend auf Kreta. Tim und ich liebten es, die sympathischen Holländer zu studieren. Besonders angetan hatte es uns ihre Sprache, die dem Deutschen so ähnlich, nur verniedlicht, zu sein scheint. Wir amüsierten uns insgeheim über eine Mutter, die ihr Kind auf niederländisch vor dem bösen "Prikkedraht" (Stacheldraht) warnte, über Eimer für Hundekot, auf denen "Hundepoep" stand sowie über die Bumper auf der Straße, die auf holländisch "Drempel" heißen.
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