Urlaub in Frankreich mit Winzer-Romanze (Teil 2/2)
Und dann kam die große Wende der gesamten Urlaubsplanung. Unsere Tochter hatte sich unsterblich in einen jungen Winzer verliebt, der anscheinend auch sehr angetan war. Ich war dieser Beziehung gegenüber sehr aufgeschlossen, denn seine Weine, bzw. die seines Vaters, waren absolute Spitze. Auch meine Frau war guter Dinge, fand sie den Winzersohn doch sehr attraktiv.
Diese überraschende Entwicklung führte dazu, dass wir die nächsten Tage ohne Tochter unterwegs waren. So entdeckten wir auf der "Route des Grands Vins de Bourgogne", die sich durch die Weinberge von Rully, Bouzeron, Mercurey und Côte Chalonnaise schlängelt, die kleine Stadt Chalon-sur-Saône. Was niemand von uns wusste, hier wurde praktisch die Fotografie von einem gewissen Joseph Nicéphore Nièpce erfunden - jedenfalls wird das hier behauptet, und so gibt es am Quai des Messageries ein Museum, das mehr als zwei Millionen Fotografien, viele Artefakte, Kameras und andere Ausrüstungsgegenstände zeigt. Wir hielten uns über zwei Stunden in diesem Museum auf, um dann den Heimweg anzutreten und nach unserer Tochter zu sehen.
Was uns jetzt noch fehlte, war ein Besucher-Muss in Burgund: die im 10. Jahrhundert gegründete Abtei in Tournus. Die hatten wir uns für den letzten Burgundtag aufgehoben. Und wir erfuhren vom neuen Freund, dass er selbst auch noch nie da gewesen sei - und plötzlich waren wir zu viert.
Tournus ist ein einziges Baudenkmal mit einer tollen Altstadt, die jetzt durch zwei Händchen haltende Pärchen inspiziert wurde. Umsäumt von den Hügeln des Mâconnais und am Ufer der Sâone gelegen - eine kleine Bilderbuchstadt im Original. Insbesondere entlang der Rue République, die sich von der Kirche La Madeleine bis zur Abtei St. Philibert zieht, finden sich restaurierte Fachwerkhäuser und stattliche Steingebäude. Diese enge Straße ist von vielen Geschäften gesäumt, die eine Trennung der beiden Pärchen brachte, denn das neue Liebespaar wollte sich etwas "unvergessliches" kaufen.
Die Stadt hat herrliche verwinkelte, romantische Ecken, ist leider aber auch vor allem am Ufer der Sâone sehr schmutzig. Anders sieht es im Viertel um die alte Abtei aus, hier legt man Wert auf große Sauberkeit. Doch dies ist alles ist mehr oder weniger Pflicht, denn jetzt freuten wir uns auf die Kür. Sind früher die Menschen der Wallfahrt wegen hergekommen, so sind es heute Gourmets aus aller Welt. Da wir alleine waren, nutzten wir dies aus und gingen zum Abendessen in einen Tempel der Genüsse: in das Restaurant "Geuze". Die Preise waren dermaßen hoch, dass selbst ein arabischer Ölscheich die Stirne gerunzelt hätte, aber das Essen und seine Zelebration übersteigen alles, was man sich vorstellen kann. Super, einfach super. Unser Liebespaar jedoch saß auf einer schattigen Parkbank mit einer Tüte Chips und war genau so glücklich.
Das Ergebnis dieser neuen Liebe war jedoch, dass wir nicht die Schlösser an der Loire besuchten, sondern noch eine ganze Woche in Burgund tranken und schlemmten. Es war ein kulinarischer Urlaub der Extraklasse - und so wie es scheint, wird unsere Tochter vielleicht irgendwann einmal ein burgundisches Winzertöchterlein.
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