Sevilla - Traumstadt in Andalusien (Teil 3 / 4)

Muslimische Baukunst und „Peter der Grausame“: „El Alcázar“

Das schönste Beispiel muslimischer Baukunst in Sevilla wurde erst 100 Jahre nach der Kalifenherrschaft gebaut: „ Alcázar von Sevilla“, „El Alcázar“, der Königspalast. Es ist ein einzigartiges Denkmal der Zeitgeschichte. Nichts von Spanien, nichts von iberischer Kultur – nur muslimische Baukunst der Superlative. Ein König aus Kastilien mit dem schönen Namen „Peter der Grausame“ ließ sich diesen Palast bauen und koste es, was es kosten sollte. Und ein Palast, von einem christlichen König erbaut, der noch heute in großen arabischen Schriftzeichen die Besucher mit „Allah ist groß“ empfängt – was muss da passiert sein?
Auch hierüber wird in Sevilla nicht erst seit heute heftigst diskutiert. Doch „der Grausame“ war vermutlich nur ein großer Fan muslimischer Baukunst, und zwar ohne religiöse Hintergedanken. Im Gegenteil, der Palast an der „Plaza del Triunfo“ sollte für den „Grausamen“ und seine Geliebte Maria de Padilla ein komfortables Liebesnest werden. Und er hatte ja auch ein geniales Vorbild: die Alhambra in Granada. Manche sagen, es sei eine Kopie, wenn es eine sein sollte, dann ist die Kopie im Detail vielleicht sogar noch etwas beeindruckender. Da staunt beispielsweise der Besucher des „Salón de los Embajadores“ über die prunkvolle Kuppel aus dem Jahre 1472, die man mit vergoldeten Zedernholz geschmückt hat. Über die herrlichen Fliesen und die mit so großer Sorgfalt hergestellten Stuckarbeiten.
Das Gesamtkunstwerk Palast bekommt vor allem durch wunderschönen Gärten seine eigene Atmosphäre. Auch in den Gärten ist es auf wunderbare Weise gelungen, eine Symbiose aus maurischer Zeit, aus der Renaissance und der Moderne zu schaffen. Und über allem der Duft von Magnolien, Zypressen, Orangenbäumen und anderen exotischen Gewächsen. Ein Erlebnis für alle Sinne! Vielleicht hat auch deshalb der spanische König Juan Carlos „El Alcázar“ für seine Sevilla-Besuche als Residenz ausgewählt.
Unzählige Zimmer, Patios und Säle in den unterschiedlichsten Stil-Epochen, der Einfluss islamischer Architekten, gleichberechtigt vom mit der Zeit eingeführten klassizistischen Stil, und das absolute Aha-Erlebnis ist der Anblick der vielen Springbrunnen und Gärten - eigentlich ein Weltkulturerbe. Ein unvergessliches Erlebnis!

Tapas

Sie sind ein spanisches Kulturgut, sie gehören zu Spanien wie Flamenco und Sangria, die Tapas. Deren Wiege stand einst in Sevilla, und noch heute gibt es nirgendwo in Spanien eine solche Vielfalt dieser leckeren Appetithäppchen. Man schätzt, dass es in Sevillas Gastronomie mehrere 1000 Lokale und Bars gibt, die Tapas anbieten.
Wie selbstverständlich verabredet man sich zum „Tapeo“ - als Ersatz für ein Mittagessen oder nach Feierabend. Wie alt dieser Brauch ist, das weiß niemand genau, doch ihren Siegeszug begannen die Tapas in Sevilla. Es war üblich, dass man sein Weinglas immer mit einer Scheibe Brot – „tapado“ –, belegt mit einer dünnen Scheibe Wurst, serviert bekam, und zwar auf dem Weinglas.
Die Qualität der Tapas in Sevilla ist zu einem Markenzeichen geworden. Tapas müssen ständig frisch angeboten werden, und wer nach einer guten Tapas-Kneipe sucht, muss dahin gehen, wo das Gedränge am größten ist. Man kann keine Empfehlungen geben, wo es die besten Tapas gibt, man muss sich einfach auf den Weg machen – an Tapas kommt man nicht vorbei.
Einige Spezialitäten sollte man sich jedoch nicht entgehen lassen. Zum Beispiel „Montaditos“, diese kleinen gerösteten Brötchen mit gebratener Blutwurst oder der sehr beliebten etwas scharfen „Chorizo“-Wurst. Auch die sevillianische Spezialität „Cocido“, ein Eintopf, dient als Belag. Hinzu kommen noch andalusischer Käse, alles, was die andalusischen Metzger produzieren, und der wunderbare Spickbraten. Man sollte unbedingt nach „Capote“ fragen, denn dann bekommt man das Brötchen mit Makrele und einer eingelegten roten Paprikaschote.
„Pincho moruno“ oder „Pinchitos“ (Fleischspieß) gehören zu den beliebtesten warm servierten Tapas. Diese Tapas bekommt man nur in Sevilla und Umgebung, sie gehören zu den absoluten Highlights der andalusischen Küche. Ihr Geheimnis ist die Gewürzmischung, in der das Fleisch mariniert wird.

Andalusische Spezialitäten

Noch heute sind die typischsten Gerichte in Sevilla von den Arabern geprägt. Man kocht sehr viel mit Reis, natürlich Oliven, frischen Weintrauben, mit Orangen und Zitronen frisch vom Baum. Frisches Gemüse ist in den Küchen eine Selbstverständlichkeit, und die Gewürze sind zum Teil sehr exotisch. Wo immer es geht, werden Unmengen von Knoblauch verwendet, und wo immer es geht, löscht man mit Sherry ab.
Aus den unzähligen Gerichten ragen Spezialitäten heraus wie gegrillter Fisch oder Sardinen und Tintenfische. Grillfleisch und Braten werden mit Kümmel- oder Safran-Soßen gewürzt, Salate mit Sherry-Essig und zu allen Gerichten werden Paprika und Tomaten gereicht. Unvergleichlich ist der Jamón serrano, der aus dem andalusischen Bergland kommt. Und im Sommer bestimmt der „Gazpacho“ die Küchen. Es ist eine kalte Gemüsesuppe, die aus Brot, Knoblauch, Tomaten, Paprika und Gurken zubereitet wird. Andalusisches Olivenöl macht die Suppe cremig, Sherry-Essig macht sie frisch. Doch die typischsten Spezialitäten in Sevilla sind die „Habas a la rondeña“, die dicken Bohnen mit herrlichem Räucherschinken.
Zu den bei den Sevillanern beliebtesten Lokale für traditionelles Essen gehören:
das Restaurant „Taberna de Alabardero“, Calle Zaragoza 20, unbedingt reservieren, das „Don Fadrique“ in der Calle Don Fadrique 7-9, das Restaurant
„La cueva“, Rodrigo Caro 18, und das „La cococha“, Greco 4.

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